Die Strecke vom Bajardo-Ausflug hat uns so gut
gefallen, dass wir hier noch mal langfahren wollten, nur eben halt weiter, hoch in Seealpenregion. Und es hat sich wahrlich
gelohnt.
In Taggia beginnen wir mit unserem
Trip. Es hat eine Stadtmauer, ein römisch mittelalterliches Stadtbild, ein imposantes Kloster mit gotischem Kreuzgang.
Die Bauten in den gepflasterten Straßen mit ihren Bögen und Steinportalen gruppieren sich um ein Schloss herum, dessen
zwei Türme erhalten geblieben sind. Wir fahren weiter durchs Valle Argentina entlang dem Flüsschen gleichen
Namens. Wir halten kurz bei Badalucco, sehen einen Mühlstein vor der fotogenen Kulisse eines hübschen
Örtchens.
Für das nächste Etappenziel müssen wir einen
Abstecher machen. Wir fahren durch eine atemberaubende Landschaft. Allein dafür hat sich meine Beharrlichkeit gelohnt. Sogar
meine Ängste vor den schmalen Straßen mit den vielen Kehren waren wie weggeblasen. Das schafft nur ein Landschaftsbild, das mich
bezaubert. Am Ende erreichen wir Carpasio.
Wir kehren um zur Hauptroute und fahren diese
bis Triora. Dieser mittelalterliche Ort gilt als
einer der schönsten Orte Italiens. Hier fanden im Mittelalter Hexenverbrennungen statt. Wegen diesem Wissen, kann
ich das Hübsche an dem Ort nicht erkennen. Meine Fantasie weht eher verbrannten Fleischgeruch in die Nase. Das müssen damals
auch die Menschen gerochen haben, nachdem sie die Angstschreie ertragen oder genossen haben. Vor allem auch die verantwortlichen
Geistlichen. Es gibt halt Dinge, die gehen nicht in meinen Kopf. Wie auch viele andere. Also ich kann diesen Platz nicht schön
finden, auch wenn er heute kunstvoll gepflastert ist. Damals muss er dreckig und schaurig ausgesehen haben. Der Ausblick dagegen
ist grandios. Man sieht auf eine insgesamt 2000m hohe Felswand, die das Dorf gegen kalte Nordwinde schützt, in
der Ferne hohe Berge in Frankreich oder Piemont und über Täler.
Das höchstgelegene Ziel und auch Ende der Straße
ist Realdo, ein typisches Bergdorf, das
sich an eine Kalksteinwand klammert. Verdeggia birgt zusammen mit Realdo die Erinnerungen einer vergangenen Kultur. Die
Architektur der antiken Gebäude der beiden Dörfer ist typisch alpin: Steinhäuser mit langen Außenbalkons aus Holz.

Wie immer, nehmen wir eine andere Route zurück. Bei
Molina biegen wir rechts ab. Es geht über Pigna. Unser nächster Halt ist Dolceacqua. Das Dorf wird
überragt von einem Castello. Eine Sehenswürdigkeit ist die Brücke Ponte Vecchio, die den Fluss Nervia in einem einzigen Bogen
überspannt. Auch in diesen mittelalterlichen Gassen kann man die Vergangenheit riechen
Zwischen Ventimiglia und San Remo erreichen wir die
Küste und treffen auf die Via Romana, auf der wir nach Bordighera gelangen. Es gibt viel zu lesen
über Bordighera, also halte ich mich zurück. Wir sind müde und treiben uns nur noch ein bissel am Strand herum. Wir sehen
noch ein paar imposante Villen mit imposanten Gärten vom Auto aus.
Auf der Via Romana fahren wir dem Endes dieses Trips
entgegen. Zu dieser Zeit ist alles auf Rädern, was sonst nur zwei Beine hat. Deshalb geht's dann ab San Remo auf die
Autostrada.
- Tauschen Zeit gegen Maut -
An unserem letzten Urlaubstag besuchen wir Cervo.
Cervo thront auf einem Hügel. Den vorgelagerten Strand kann man durch Unterführungen erreichen, die eine Bahnstrecke
und die Küstenstraße Via Aurelia untertunneln. Wir machen es anders herum. Wir sind erst am Strand und laufen durch den
Tunnel nach Cervo hinauf. Am Ortseingang ist ein Parkplatz wo ich auf unser Auto und natürlich meinen Freund warte. Kein
Fehler! Die mittelalterliche Altstadt ist auf Grund der starken Steigung fast durchgängig Fußgängerzone. Auf der
weniger geschützten Seite am Berg wird die Stadt durch eine alte Burganlage geschützt, die wohl auch besichtigt werden
kann.
Ich finde Cervo sehr sehr schön. Es ist wohl voll
saniert. In den winkeligen hübschen Gassen weht mir kein mittelalterlicher Hauch in die Nase. Überall kann man in angenehmer
Atmosphäre sitzen und die Seele baumeln lassen. Cervo erinnert mich an ein altes Haus aus Naturbausteinen, dass ein moderner
Architekt aufgemotzt hat. Ich mag so etwas.
Den Tag lassen wir ausklingen in Albengo,
einem Badeort. Wir sitzen in einem Strandrestaurante, die Kellner noch lustlos, bis auf einen eleganten älteren Herrn, den
man sich gut im Italien der Nachkriegszeit vorstellen kann. Wir haben Glück und werden von ihm bedient. Es ist noch keine
Saison. Die leeren blauen Sonnenliegen konkurrieren mit dem Blau des Himmels, der allerdings anfängt sich ganz langsam ins
Rötliche zu verfärben.